Samstagvormittag, der einzige Termin, den beide Eheleute gemeinsam wahrnehmen konnten. Auf dem Küchentisch: drei Musterfliesen aus der Ausstellung, daneben dein Angebot über 8.400 EUR, seit zwei Wochen unentschieden. Die Kundin dreht das 10×10-Musterstück zum dritten Mal in der Hand und sagt den Satz, den jeder Fliesenleger kennt: „Ich kann mir das an der Wand einfach nicht vorstellen." Eine Stunde später fährst du nach Hause — entschieden ist wieder nichts, und dein freier Samstag ist es auch nicht mehr.
Zweites Szenario, gleiche Woche: Beim Badprojekt in der Altbauwohnung hast du den Verschnitt für die Diagonalverlegung mit 8 Prozent kalkuliert. Real wurden es 14. Drei Pakete Feinsteinzeug nachbestellt, Expresslieferung, ein halber Tag Stillstand. Die Marge aus der Position Material: weg.
Beide Probleme — Kunde kann sich das Ergebnis nicht vorstellen, Verschnitt falsch gerechnet — kosten dich messbar Geld. Und beide gehören zu den Aufgaben, bei denen KI 2026 konkret hilft. Nicht als Roboter, der Fliesen legt. Sondern als Werkzeug für Visualisierung, Kalkulation und die Bürostunden, die du abends absitzt. Dieser Artikel zeigt dir fünf Workflows mit konkreten Abläufen, Prompt-Vorlagen und ehrlichen Grenzen. Den allgemeinen Überblick für alle Gewerke findest du im KI-Handwerk-Guide — hier geht es nur um Fliesen.
Auf einen Blick
- Verkaufsargument Nr. 1: Wunschfliese fotorealistisch ins echte Kundenbad montieren — 5-10 Minuten pro Variante, Entscheidung im Termin statt nach zwei Wochen Bedenkzeit.
- Verschnitt-Kalkulation: KI als Zweitrechner für Fläche, Paketbedarf und musterabhängigen Zuschlag (gerade 5-10 %, diagonal 10-15 %, Fischgrät 15 %+).
- Angebot: Sprachnotiz von der Baustelle → fertiger Angebotstext mit Positionen in 15-20 Minuten statt 1,5-2 Stunden.
- Reklamation: Fotos + Diktat → sauberes Protokoll mit Datum, Befund und Maßnahme. Deine Absicherung bei Gewährleistungsfragen.
- Kosten: 0-25 EUR/Monat für den Einstieg. Ein 3-Mann-Betrieb spart realistisch 5-8 Bürostunden pro Woche.
Workflow 1: Die Wunschfliese im echten Kundenbad zeigen
Das ist der Workflow mit dem größten Hebel — weil er nicht Zeit spart, sondern Aufträge holt. Der Engpass im Fliesenverkauf ist fast nie der Preis. Es ist die Vorstellungskraft: Ein 10×10-Musterstück in der Hand sagt nichts darüber, wie 12 m² davon im Licht des echten Badezimmers wirken. Solange die Kundin unsicher ist, unterschreibt sie nicht — oder holt ein drittes Angebot ein.
KI-Bildtools lösen genau das. ChatGPT (mit Bild-Funktion) und Google Gemini können hochgeladene Fotos bearbeiten: Du gibst ein Foto vom Bestandsbad und ein Foto der Wunschfliese hinein, das Tool setzt die Fliese fotorealistisch auf Boden oder Wand.
So läuft es ab:
- Im Termin oder davor: Foto vom Bad des Kunden machen (gerade Perspektive, gutes Licht, keine Personen im Bild).
- Beide Bilder hochladen: Badfoto plus Produktfoto oder Herstellerbild der Fliese in ChatGPT oder Gemini.
- Prompt absetzen und Varianten zeigen: 30-60 Sekunden später hast du das erste Ergebnis. Zweite Fliese? Gleicher Ablauf, 2 Minuten.
Die Prompt-Vorlage dazu:
“Hier sind zwei Bilder: Bild 1 zeigt ein Badezimmer, Bild 2 eine Bodenfliese ([Format], [Farbe/Optik]). Ersetze den Bodenbelag in Bild 1 fotorealistisch durch diese Fliese, verlegt im [Verlegemuster, z. B. Drittelverband] mit [Fugenfarbe] Fugen. Lichtstimmung und Perspektive des Raums beibehalten. Alles andere im Raum unverändert lassen.”
Was du dem Kunden dazusagen solltest: Das ist eine Visualisierung, keine maßstabsgetreue Planung. Fugenraster und Formatproportionen stimmen nicht millimetergenau. Für die Kaufentscheidung („helle Großformat-Optik oder doch die Holzoptik?") reicht es trotzdem fast immer — und genau da hängen die meisten Aufträge fest.
Effekt in Zahlen: Statt „Ich überlege es mir" entscheiden Kunden im Termin. Wenn du damit auch nur einen zusätzlichen Badauftrag pro Quartal abschließt, hat sich jedes KI-Abo für Jahre bezahlt. Mehr Strategien für den Auftragseingang findest du unter KI-Kundengewinnung.
Workflow 2: Verschnitt und Material kalkulieren — mit Kontrollrechnung
Falsch kalkulierter Verschnitt ist der klassische Margenkiller: Zu wenig eingeplant heißt Nachbestellung, Wartezeit und im schlimmsten Fall eine andere Brandcharge. Zu viel heißt Kapital im Lager. Die Zuschläge sind Erfahrungswerte — gerade Verlegung 5-10 %, diagonal 10-15 %, Fischgrät und Module eher 15 % und mehr, Großformat in verwinkelten Räumen nochmal extra — aber unter Zeitdruck verrechnet man sich trotzdem.
KI taugt hier als schneller Zweitrechner, der die komplette Kette durchzieht: Fläche, Abzugsflächen, musterabhängiger Zuschlag, Paketbedarf, Reservepakete.
So läuft es ab:
- Maße diktieren oder eintippen: Raummaße, Türen/Abzugsflächen, Fliesenformat, Verlegemuster, Paketinhalt.
- KI rechnen lassen — mit der Anweisung, jeden Rechenschritt offenzulegen.
- Kontrollblick: Du prüfst Fläche und Zuschlag gegen deine Erfahrung. Weicht die KI von deinem Bauchgefühl ab, rechnest du die Stelle von Hand nach.
“Berechne den Fliesenbedarf: Raum [L] × [B] m, abzüglich [Abzugsflächen]. Wandfliesen bis [Höhe] m auf [Wandlänge] m. Fliesenformat [60×60 cm], Verlegung [diagonal], Paketinhalt [1,44 m²]. Kalkuliere den passenden Verschnitt-Zuschlag für dieses Verlegemuster, runde auf volle Pakete auf und plane 1 Reservepaket für spätere Reparaturen ein. Zeige jeden Rechenschritt einzeln.”
Die ehrliche Grenze: Sprachmodelle können sich bei Arithmetik vertun — seltener als früher, aber es passiert. Deshalb der Befehl „zeige jeden Rechenschritt": Fehler fallen dir sofort auf. Die KI ersetzt nicht deine Kalkulation, sie macht sie schneller und fängt deine Flüchtigkeitsfehler — und du ihre. Zwei unabhängige Rechnungen sind besser als eine.
Zeitersparnis: 15-20 Minuten pro Projekt bei der Materialliste. Der eigentliche Gewinn ist aber die vermiedene Nachbestellung: Ein einziger verhinderter Stillstandstag zahlt mehr als ein Jahr Tool-Kosten.
Das Vorgewerk nutzt übrigens dieselbe Zweitrechner-Logik: Im Trockenbau-Guide rechnet die KI aus dem Aufmaß Plattenbedarf, Profile und Spachtelmasse — inklusive Nachtrags-Workflow per Sprachnotiz.
Workflow 3: Aufmaß-Notizen von der Baustelle in saubere Tabellen
Klartext vorweg: Ein Foto ersetzt kein Aufmaß. Keine KI liest aus einem Handyfoto verlässlich ab, ob die Wand 2,38 m oder 2,42 m hoch ist. Messen musst du selbst — Laser-Entfernungsmesser, Zollstock, oder eine Aufmaß-App wie magicplan, wenn du strukturierte Grundrisse willst.
Was KI dir abnimmt, ist alles nach dem Messen: die Zettelwirtschaft. Der typische Ablauf heute: Maße auf einen Block oder in WhatsApp an dich selbst, abends am Schreibtisch entziffern und abtippen. Der Ablauf mit KI:
- Vor Ort: Maße per Sprachnotiz ins Handy diktieren („Bad OG, Boden 3,20 mal 2,45, Wanne raus, Dusche bodengleich 90 mal 120, Wandhöhe Fliesenspiegel 2 Meter umlaufend, Untergrund Altfliese, klingt teilweise hohl…"). Dazu 4-5 Fotos als Gedächtnisstütze.
- Transkript in die KI: Sprachnotiz transkribieren lassen (macht ChatGPT direkt) und strukturieren lassen.
- Ergebnis: Aufmaß-Tabelle nach Räumen und Positionen, inklusive einer Liste offener Punkte („Sockelleisten erwähnt, aber kein Maß genannt").
“Hier ist meine diktierte Aufmaß-Notiz von der Baustelle: [Transkript]. Erstelle daraus eine strukturierte Aufmaß-Tabelle mit den Spalten Raum, Position, Maße, Fläche, Bemerkung. Liste danach separat alle Angaben auf, die fehlen oder unklar sind.”
Gerade der letzte Teil — die Lückenliste — ist Gold wert: Du merkst noch am selben Tag, was du nachmessen musst, nicht erst beim Angebotschreiben drei Tage später.
Workflow 4: Das Angebot in 15 Minuten statt 2 Stunden
Das Aufmaß aus Workflow 3 ist die halbe Miete — jetzt wird daraus das Angebot. Für Fliesenleger ist das der größte planbare Zeitfresser im Büro: 1,5-2 Stunden pro Angebot sind normal, bei drei Angeboten pro Woche sind das 5-6 Stunden. Davon gewinnst du den Großteil zurück.
So läuft es ab:
- Input sammeln: Aufmaß-Tabelle (aus Workflow 3), Materialwahl, deine Preisliste bzw. Stundenverrechnungssätze.
- KI den Angebotstext bauen lassen — Positionen, Mengen, verständliche Leistungsbeschreibungen, Anschreiben.
- Prüfen und übertragen: Du kontrollierst Mengen und Preise (die kommen von dir, nicht von der KI) und überträgst das Ergebnis in deine Bürosoftware.
“Erstelle ein strukturiertes Angebot für folgende Fliesenarbeiten: [Aufmaß-Tabelle einfügen]. Positionen: Demontage Altbelag, Untergrundvorbereitung [Art], Abdichtung im Nassbereich, Verlegung [Fliese, Format, Muster], Verfugung [Material], Silikonfugen, Sockelarbeiten. Schreibe pro Position eine kurze, für Laien verständliche Leistungsbeschreibung. Mengen aus der Tabelle übernehmen, Preise als Platzhalter [PREIS] lassen. Dazu ein freundliches, knappes Anschreiben an [Kundenname] mit Bezug auf den Termin am [Datum].”
Realistisch landest du bei 15-20 Minuten pro Angebot — und die Qualität der Leistungsbeschreibungen steigt sogar, weil die KI nicht in Stichwort-Stenografie verfällt, wenn es spät wird. Ausführliche Angebots-Prompts für weitere Gewerke und den kompletten Aufmaß-zu-Angebot-Workflow findest du im Artikel KI-Angebote im Handwerk.
Doppelter Nebeneffekt: Schnellere Angebote heißt frühere Angebote. Wer als Erster ein sauberes Angebot schickt, gewinnt überdurchschnittlich oft — gerade bei Privatkunden, die zwei oder drei Betriebe anfragen.
Workflow 5: Reklamationen mit Foto-Doku und KI-Protokoll absichern
Hohllagen, Fugenrisse, Verfärbungen, Kantenabplatzer — bei Fliesen entscheidet im Streitfall die Dokumentation. Wer bei der Abnahme und bei Reklamationsterminen sauber protokolliert, spart sich später Diskussionen über Gewährleistung und Ursache (Verlegefehler oder Untergrund? Nutzerverhalten oder Material?).
Das Problem: Nach einem unangenehmen Reklamationstermin schreibt niemand gern noch eine Stunde Protokoll. Also passiert es oft gar nicht — bis es vor Gericht fehlt.
So läuft es ab:
- Vor Ort: Fotos von jeder beanstandeten Stelle (Übersicht + Nahaufnahme, Zollstock als Maßstab mit ins Bild). Dazu eine Sprachnotiz: Was wurde beanstandet, was hast du festgestellt, was wurde vereinbart.
- KI strukturiert: Transkript plus Stichpunkte rein, fertiges Protokoll raus.
- Versenden: Protokoll prüfen, als PDF an den Kunden mailen — am selben Tag. Das wirkt professionell und schafft eine saubere Beweislage mit Datum.
“Erstelle aus meinen Notizen ein Reklamations-Protokoll: Objekt [Adresse neutral, z. B. ‘BV Badsanierung OG’], Termin [Datum], anwesend [Rollen, keine Klarnamen]. Beanstandung laut Kunde: [Diktat]. Mein Befund: [Diktat]. Vereinbarte Maßnahme: [Diktat]. Struktur: 1. Anlass, 2. Festgestellter Zustand, 3. Mögliche Ursachen (neutral formuliert, keine Schuldzuweisung), 4. Vereinbartes Vorgehen mit Frist, 5. Vorbehalt der weiteren Prüfung. Sachlicher, höflicher Ton.”
Wichtig: Die KI formuliert — die fachliche Bewertung (Hohllage durch Verlegefehler oder durch Estrichriss?) bleibt deine. Schreibe in Protokollen nie eine Ursache fest, die du nicht sicher belegen kannst; der Prompt oben ist deshalb bewusst auf neutrale Formulierung getrimmt.
Tool-Übersicht für den Fliesenleger-Betrieb
| Tool | Preis | Stärke | DSGVO | Am besten für |
|---|---|---|---|---|
| ChatGPT (Free/Plus) | 0 / ~20 USD pro Monat | Allrounder: Visualisierung, Kalkulation, Angebote, Protokolle, Diktat-Transkription | US-Anbieter — Training in den Einstellungen deaktivieren, keine Klarnamen | Den Einstieg — deckt alle 5 Workflows ab |
| Google Gemini | Kostenlos, Pro-Stufen optional | Starke Bildbearbeitung für Fliesen-Visualisierungen, direkt im Google-Konto | US-Anbieter — gleiche Regeln wie bei ChatGPT | Workflow 1, wenn du eh mit Google arbeitest |
| Claude | 0 / ~20 USD pro Monat | Präzise, lange Texte; gut für Angebote und Protokolle | US-Anbieter, Training standardmäßig deaktivierbar | Angebots- und Reklamationstexte |
| magicplan o. ä. Aufmaß-Apps | Abo, je nach Tarif | Echte Grundrisse und Aufmaße per Smartphone/LiDAR | AVV des Anbieters prüfen | Strukturiertes Aufmaß vor Workflow 3 |
| Lexware / sevDesk | Ab ca. 12 EUR pro Monat | Angebote, Rechnungen, Belegerkennung mit KI | Ja (DE-Anbieter) | Büro-Backend: aus dem KI-Text wird das offizielle Dokument |
Du brauchst nicht alle fünf. Die Kombination für den Start: ChatGPT Plus + deine bestehende Bürosoftware. Das sind rund 20-25 EUR im Monat — weniger als eine halbe Gesellenstunde. Wie du Belege, Rechnungen und Mahnwesen zusätzlich automatisierst, steht im Artikel KI-Buchhaltung.
Die komplette Werkzeugkiste mit Einrichtungs-Tipps zum Nachlesen: KI-Toolstack für Handwerker — die 5 Tools fürs Handwerksbüro (PDF, kostenlos).
Fotos aus der Privatwohnung: die DSGVO-Seite
Der Unterschied zu anderen Gewerken: Deine Fotos entstehen nicht auf einer Baustelle, sondern in einer Privatwohnung — und das Bad ist der privateste Raum davon. Ein Badfoto kann mehr verraten, als dem Kunden lieb ist: Medikamente auf der Ablage, persönliche Gegenstände, Spiegelbilder. Deshalb gelten hier eigene Regeln:
- Frag, bevor du visualisierst. Wenn du das Kundenbad fotografierst, um die Wunschfliese per KI einzusetzen, sag vorher, was mit dem Foto passiert — ein Satz reicht: „Ich lade das Foto in ein KI-Tool, damit Sie die Fliese im Raum sehen — in Ordnung?" Die meisten Kunden finden genau das beeindruckend. Aber sie sollen es vorher wissen, nicht hinterher.
- Räum das Bild auf, nicht nur den Raum. Vor dem Foto: Ablagen leer, keine Medikamente, keine persönlichen Gegenstände, keine Personen — auch nicht im Spiegel. Was nicht im Bild ist, kann nicht in einer US-Cloud landen.
- Identität trennen. Im Prompt heißt das Projekt „BV Badsanierung OG", nicht „Familie Müller, Hauptstraße 12"; Dateinamen und Metadaten neutral halten, Training in den Tool-Einstellungen deaktivieren. Und alles, was zwingend echte Kundendaten enthält (Rechnung, Mahnung, Vertrag), bleibt in Software mit AV-Vertrag und EU-Hosting — nicht im Chat.
Ob dein Betrieb insgesamt sauber aufgestellt ist, prüfst du in 3 Minuten mit dem kostenlosen DSGVO-Check. Die Details mit allen Rechtsgrundlagen stehen im KI-DSGVO-Leitfaden. Und falls du Mitarbeiter hast: Ab dem 2. August 2026 wird die KI-Schulungspflicht nach Art. 4 EU AI Act durchgesetzt — die gilt auch für den 3-Personen-Betrieb, ist aber mit einer dokumentierten Kurzschulung erfüllbar.
Was KI dir NICHT abnimmt
Damit hier kein falscher Eindruck entsteht — diese Punkte bleiben zu 100 Prozent bei dir:
- Untergrundbeurteilung. Restfeuchte, Tragfähigkeit, Hohllagen, Risse — das beurteilst du vor Ort mit deinen Methoden. Keine KI sieht in den Estrich.
- Abdichtung und Normen. Welche Abdichtungsklasse nach DIN 18534, welcher Aufbau bei der bodengleichen Dusche — das ist dein Fachwissen. KI kann Normtexte zusammenfassen, aber sie haftet nicht. Du schon.
- Verbindliche Preise. Deine Stundensätze, deine Einkaufskonditionen, deine Marge. Lass die KI nie Preise „schätzen" — sie kennt deinen Betrieb nicht.
- Die Gewährleistungsentscheidung. Ob du eine Reklamation anerkennst, ist eine fachlich-kaufmännische Entscheidung mit Rechtsfolgen. KI liefert dir das Protokoll dazu, nicht das Urteil.
- Das Handwerk selbst. Offensichtlich, aber zur Sicherheit: Zwischen KI und verlegter Fliese liegen weiterhin deine Hände.
Rechnet sich das? Beispiel 3-Mann-Betrieb
Konservative Rechnung für einen Betrieb mit Meister plus zwei Gesellen, kalkulatorischer Stundensatz 65 EUR:
| Position | Ohne KI | Mit KI | Ersparnis/Woche |
|---|---|---|---|
| 3 Angebote schreiben | 5,0 h | 1,0 h | 4,0 h |
| Materialkalkulation (2 Projekte) | 1,0 h | 0,5 h | 0,5 h |
| Aufmaß-Notizen übertragen | 1,0 h | 0,25 h | 0,75 h |
| Protokolle, E-Mails, Doku | 1,5 h | 0,5 h | 1,0 h |
| Summe | 8,5 h | 2,25 h | 6,25 h |
6,25 Stunden pro Woche × 65 EUR = rund 400 EUR an gebundener Arbeitszeit, jede Woche. Dagegen stehen 20-25 EUR Tool-Kosten im Monat. Selbst wenn du nur die Hälfte der Ersparnis realisierst, amortisiert sich das in der ersten Woche — noch ohne den ersten zusätzlichen Auftrag durch die Fliesen-Visualisierung gerechnet. Vergleichbare Rechnungen für andere Branchen, inklusive eines Sanitärbetriebs, findest du in den Branchen-Playbooks für den Mittelstand.
Dein 7-Tage-Einstieg
Tag 1: Konto und Einstellungen
ChatGPT-Konto anlegen (Free reicht zum Testen), in den Einstellungen das Training auf deinen Daten deaktivieren. 15 Minuten.
Tag 2: Erste Visualisierung
Foto von deinem eigenen Bad plus eine Fliese aus deinem Lager — Workflow 1 mit der Prompt-Vorlage durchspielen. Zweimal üben, dann kannst du es im Kundentermin.
Tag 3: Verschnitt-Kontrollrechnung
Nimm ein abgeschlossenes Projekt, dessen echten Verbrauch du kennst, und lass die KI die Kalkulation nachrechnen. So lernst du, wo sie gut ist und wo du eingreifen musst.
Tag 4: Sprachnotiz-Test
Beim nächsten Baustellentermin Maße und Befund diktieren, abends mit Workflow 3 in eine Tabelle wandeln lassen.
Tag 5: Ein echtes Angebot
Das nächste anstehende Angebot mit Workflow 4 schreiben. Zeit stoppen — vorher/nachher.
Tag 6: Prompt-Bibliothek anlegen
Deine vier besten Prompts (Visualisierung, Verschnitt, Aufmaß, Angebot) mit deinen Standard-Positionen in einer Notiz-App speichern. Ab jetzt nur noch Platzhalter austauschen.
Tag 7: Bilanz und Entscheidung
Gesparte Stunden zusammenrechnen. Wenn der Bild-Upload im Free-Tarif limitiert, auf Plus upgraden — die Entscheidung trifft sich nach dieser Woche von selbst.
Weiterlesen:
- KI im Handwerk: Der komplette Guide für alle Gewerke
- Angebote schreiben mit KI: Prompts und Workflows fürs Handwerk
- KI und DSGVO 2026: Der Leitfaden für Unternehmen
- KI-Buchhaltung: Belege, Rechnungen und Cashflow automatisieren
Häufige Fragen
Kann KI zeigen, wie eine Fliese in meinem Badezimmer aussieht?
Ja. Du lädst ein Foto vom Bad des Kunden plus ein Foto der Wunschfliese in ChatGPT oder Gemini hoch und lässt die Fliese fotorealistisch einsetzen. Das Ergebnis ist eine Entscheidungshilfe, keine maßstabsgetreue Planung — für das Kundengespräch reicht es aber fast immer. Aufwand: 5-10 Minuten pro Variante.
Wie zuverlässig ist die Verschnitt-Berechnung mit KI?
KI rechnet dir Fläche, Fliesenbedarf und Verschnitt-Zuschlag in 2 Minuten durch — inklusive Verlegemuster-Logik (gerade 5-10 %, diagonal 10-15 %, Fischgrät 15 % und mehr). Die Rechnung musst du trotzdem prüfen: KI kann sich verrechnen. Nutze sie als schnellen Zweitrechner und Plausibilitäts-Check, nicht als einzige Quelle.
Kann ich mit KI per Foto Aufmaß nehmen?
Nein, kein echtes Aufmaß. Aber du kannst auf der Baustelle Fotos plus eine Sprachnotiz mit den Maßen aufnehmen und die KI daraus eine saubere Aufmaß-Tabelle mit Positionen bauen lassen. Für lasergenaue Grundrisse brauchst du weiterhin Laser-Entfernungsmesser oder eine Aufmaß-App wie magicplan — die KI übernimmt die Schreibarbeit danach.
Wie schreibe ich mit KI ein Fliesenleger-Angebot in 15 Minuten?
Mit der Kombination Sprachnotiz plus Prompt-Vorlage: Du diktierst nach dem Termin Maße, Untergrund, Material und Besonderheiten ins Handy, die KI baut daraus den Angebotstext mit Positionen. Du prüfst Preise und Mengen und überträgst alles in deine Software. Realistisch: 15-20 Minuten statt 1,5-2 Stunden pro Angebot.
Darf ich Kundenfotos in ChatGPT hochladen?
Mit Augenmaß — ein Badfoto ist ein Blick in eine Privatwohnung. Sag dem Kunden vorher, dass du das Foto für die Visualisierung in ein KI-Tool lädst (ein Satz genügt), räum Ablagen und persönliche Gegenstände aus dem Bild und achte darauf, dass keine Personen zu sehen sind — auch nicht im Spiegel. Dazu: Dateinamen und Metadaten neutral halten, keine Kundennamen im Prompt, Training in den Tool-Einstellungen deaktivieren.
Ersetzt KI die fachliche Kalkulation und Planung komplett?
Nein. Untergrundbeurteilung, Abdichtung nach DIN 18534, Haftung und Gewährleistung bleiben bei dir. KI kennt weder die Restfeuchte deines Estrichs noch die Hohllage unter der Altfliese. Sie nimmt dir die Büro- und Rechenarbeit ab — die fachliche Entscheidung triffst du.
Was kostet KI für einen Fliesenlegerbetrieb?
Rechne es pro Projekt: ChatGPT Plus kostet rund 20 USD pro Monat (die Free-Version zum Testen 0 EUR) — bei vier Badprojekten im Monat sind das etwa 5-6 EUR pro Projekt. Dafür stecken in jedem Projekt 1-2 Stunden weniger Büro: Angebot, Verschnitt-Kalkulation, Aufmaß-Übertrag, dazu die Visualisierung im Kundentermin. Auf den Betrieb gerechnet spart ein 3-Mann-Team so realistisch 5-8 Bürostunden pro Woche.
